2011

12. TurmStipendium

"Ich kenne noch keine bessere Definition für das Wort Kunst als diese: Kunst, das ist der Mensch!" So antwortete einst Vincent van Gogh auf die Frage „Was ist Kunst?“ Dass Kunst dem Menschen nicht nur nahe gebracht, sondern auch unter den Blicken der Menschen entstehen soll, dafür steht Jahr für Jahr das „Gelderner TurmStipendium“, das bereits seit 1999 dank privater und öffentlicher Unterstützung vergeben wird.

Veranstaltet wird es von KUHnst Turm Niederrhein, dem Kunstverein Gelderland und den Freizeitkünstlern Geldern im Wasserturm am Gelderner Bahnhof.

Auch in diesem Jahr bleibt das TurmStipendium seinem bewährten Konzept treu:  Unter absolut gewünschter Beteiligung der Öffentlichkeit arbeiten die Künstlerinnen Elaine Vis aus Utrecht (www.elainevis.nl) und Heidi Sincuba aus Südafrika (www.heidisincuba.co) vom 07. August bis zum 03. September im Turm und bis zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 04. September, 12 Uhr, führt kaum ein Weg am (Leucht)Turm der Kunst in Geldern vorbei.

Die „gute Seele“ des TurmStipendiums bleibt Peter Busch, der mit Engagement und Herzblut dabei ist. „Wir freuen uns auf den Besuch vieler Gäste und auf das, was unter der besonderen Atmosphäre des Wasserturms entsteht. Ich selbst bin schon sehr gespannt“, so Peter Busch. Die Ausstellung der Werke ist vom 04. bis zum 25. September im Wasserturm zu sehen.                (Herbert van Stephoudt "wir in Geldern" www.geldern.de)

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Zwei Künstlerinnen im Turm:

Elaine Vis, Utrecht      www.elainevis.nl
Heidi Sincuba, aus Südafrika, z. Zt. Arnheim    www.heidisincuba.com

Turmstipendium 2011
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Kunst: Runde Sachen

NRZ     Niederrhein, 01.09.2011, Elke Wiegmann

Geldern. Im Gelderner Wasserturm schufen die Stipendiatinnen Heidi Sincuba und Elaine Vis spannende Kunstinstallationen. Ungewöhnlich sind auch die Materialien, darunter Kuhmist und eine Damenbluse.

Unten endet die weiße Rundwand mit einem knallroten Streifen. Auf dem Boden davor hat Heidi Sincuba einen Ring aus braunem, getrocknetem Kuhmist ausgelegt. Es folgt ein hellrot gemalter Ring. Dann noch einer. Und die Mitte des Raumes ziert ein weiterer Kuhmistkreis. Über ihm schwebt ein Schirm aus Zweigen an der Decke. An der Wand hängen jeweils drei dreiteilige Bilder. Zu sehen sind Landschaften und Kinder.

Die Künstlerin Heidi Sincuba kommt aus Südafrika. Seit vier Wochen ist die 24-Jährige im Rahmen des 12. Turmstipendiums zu Gast in Geldern. Die Kunststudentin aus Kap-stadt stellte in den vergangenen zwei Jahren in Europa aus, ein Mal in Schweden, mehrfach in den Niederlanden. In Deutschland feiert sie mit der Ausstellung (siehe Box) im Gelderner Wasserturm ihre Premiere.

„Ein Kunstfreund hat den Kontakt vermittelt“, sagt Peter Busch vom Verein Kuhnst Turm Niederrhein, als Gastgeber. Seit zwölf Jahren wird das Turmstipendium vergeben, nicht ausgeschrieben. Jedes Jahr kommen internationale Künstler in den Wasserturm, die von Mitgliedern und Freunden der Szene vorgeschlagen werden. „Mit dem Stipendium wollen wir diese Künstler fördern und ihnen hier vier Wochen lang die Möglichkeit geben, an sich selbst zu arbeiten. Es gibt keine thematischen Vorgaben.“ Sie sollen sich auf die Umgebung, sich selbst und die Besucher einlassen, die während der Schaffensphase vorbei kommen, um die Entstehung von Kunst zu beobachten und den Austausch mit den Künstlern suchen. „Damit wollen wir auch Ängste gegenüber der Kunst abbauen“, meint Busch.

Sich einlassen auf den Raum

Doch Vorbehalte müssen manchmal auch erst die Künstler selbst abbauen. „Ich fand den Turm am Anfang überhaupt nicht positiv“, sagt Heidi Sicuba. Doch dann hat sie sich auf die ungewöhnliche Räumlichkeit des alten Wasserturms in Geldern eingelassen. Einem Ort, der plötzlich gar nicht mehr so fremd war. Das einfache Leben im Bauwagen, die schnatternden Gänse im Hof, das Rund des Turmes - vieles erinnerte die 24-Jährige an das Leben in ihrer Heimat.

Stück für Stück entsteht in den runden Räumen ihre Installation. Und thematisch setzt sie sich mit ihren Erfahrungen auseinander, mit den Gegebenheiten. Ihr Werk zeigt, was sich zufällig ergibt, immer verbunden mit ihren persönlichen Erfahrungen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus afrikanischer Tradition, Pop, religiöser Symbolik, Gewaltzeichnungen, Skizzen weiblicher Genitalien und Landschaftsmalerei.

Ihre knalligen Farben und ungewöhnlichen Materialien fesseln den Blick im runden Raum. Ein Kunstwerk mal in sanften Schwüngen, mal mit harten Kanten gezeichnet, surreal und real, ein hier und dort, fremd und heimisch, vereint, getrennt, vermengt. „Es sind Zufall und Chaos, die aus dem Zusammentreffen von Unterschieden entspringen, mit denen sich meine Arbeit beschäftigt“, sagt Heidi Sincuba. Kein Thema, das sich die Südafrikanerin gesucht hat, sondern eines, das einfach „passiert“. „Man muss nicht immer nachdenken.“

Auf die runden Räume eingelassen hat sich auch Elaine Vis aus den Niederlanden, die zweite Turmstipendiatin, die zur selben Zeit wie Heidi Sincuba im Wasserturm arbeitet. Ihre Installation in der zweiten Etage tanzt wie ein Paar im Walzertakt durch den Turm. Harmonisch, im Gleichklang, gemeinsam. Doch nur vordergründig. Die Arbeit der 57-jährigen Utrechterin beschäftigt sich mit Gleichem und Unterschiedlichem. Das Männliche und das Weibliche zum Beispiel.

Kopfüber hängt eine rosafarbene Frauenbluse in der Luft. Umgeben von einem dunklen, beinahe schwebenden Rondell aus Pappe, Karton und Papier. In seinem Innenraum flattern Jackettärmel und Herrenhosenbeine. Als instabiler, ungleicher Pas de Deux wirbeln Bluse und Hose umher. Frauenbeine, aus gestopften Strumpfhosen ragen dazwischen empor, aus den schwarzen und beigen Papprollen an der Wand.

„Die Materialien, die ich verwende, sind meist aus dem Alltag. Sie stehen oft für den Inhalt: das Jackett für Macht und die Strumpfhosen für Sexualität, beispielsweise“, sagt Vis. Dass ihre Installation dabei an „Gebasteltes“ erinnert, ist gewollt: „Das ist die Realität. Sie ist nicht designed, wie wir uns das oft vorstellen, sondern zusammengebastelt. Das Leben ist viel komplizierter, als die Verabredung über Werte und Normen, nach denen wir meinen, dass es funktioniert.“

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Matinee: Sonntag, 28.08.2011, 11:00 Uhr

"Waiting for Louise"
„Songs & Strings“ = Halbakustische Musik
im Spannungsfeld von Rock und Folk

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